Social Media für Autoren – Möglichkeiten und Risiken

Vor einigen Jahren noch wurde Social Media (SoMe) fast ausschließlich mit Facebook oder Twitter gleichgesetzt. Die Flut an Informationen war riesig, aber es war irgendwie ein notwendiges Übel, wollte man dazu gehören oder nicht gar den informativen Anschluss verlieren. Was für ein Anschluss dies sein sollte, konnte mir dann wiederum keiner beantworten. Seit einiger Zeit bin ich nun nicht nur privat, sondern auch beruflich viel in den sozialen Medien unterwegs und habe von anderen Autoren oft die Fragen vernommen, welche Plattformen denn alle Sinn machen. Lasst mich euch versuchen einen Überblick zu verschaffen sowie ein paar Tipps, aber auch die Risiken verdeutlichen.

Gleich vorweg: die nachfolgenden Abschnitte haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder 100%ige Richtigkeit. Sie dienen als Überblick und Startpunkt in die Thematik und basieren primär auf meinen persönlichen Erfahrungen.

Welche Plattformen gibt es und wo liegen die Unterschiede?

Aufgrund der Informationsdichte, kann man die Kernpunkte in einer Grafik am besten zusammenfassen. Ich beschränke mich hier fairer Weise auf die größten Plattformen. Die Zahlen stammen aus verschiedenen Quellen und aus unterschiedlichen Zeiträumen, der Großteil aber von Christian Buggisch. Die Plattformen selbst veröffentlichen so gut wie keine Zahlen, weshalb beinah alles nur Schätzungen sind. Die Reichweiten beziehen sich rein auf Deutschland.

Übersicht SoMe Kanäle

Für das weitere Verständnis möchte ich kurz zwei Begriffe erläutern: Push-Medien und Pull-Medien. Unter Push-Medien sind Plattformen zu verstehen, deren Inhalte für andere publiziert werden. Umgekehrt bietet also ein Pull-Medium Inhalte, die der Nutzer pro-aktiv abruft.

Facebook, Google+, Twitter und SnapChat sind multimedial und reine Push-Medien, quasi ein Paradies für sämtliche Arten von Inhalt. Einzig die Größe der „Bühne“ unterscheidet sich. Während es bei Facebook, Google+ und SnapChat kaum Einschränkungen gibt, ist Twitter auf 140 Zeichen begrenzt. Das ist schwierig und reizvoll zugleich, gerade für ausschweifende Autoren wie uns 😉

Instagram und Pinterest scheinen auf den ersten Eindruck gleich, unterscheiden sich aber wesentlich. Instagram bietet als Push-Medium eine Plattform für Bilder jeglicher Art (Bilddatenbank), die mit bis zu 15 Hastags (#) versehen, für jedermann aufrufbar sind. Links zu anderen Inhalten sind nicht möglich. Pinterest dagegen erlaubt der Verlinkung von Bildinhalten, durch den sogenannten Pin. Man bringt die Inhalte bei sich auf der Pinwand an, die einen interessieren. Damit ist es primär ein Pull-Medium, auch wenn gleichzeitig Inhalte geteilt werden. Auch ist Pinterest eher ein Katalog an Vorschlägen, Anleitungen und kreativen Ideen, die in Bilder oder Videos aufbereitet sind.

YouTube ist ein reines Pull-Medium. Wer hier aktiv sein möchte, wird ganz gewiss bei anderen die Abonennten bemerkt haben. Die Anzahl der Abonennten sagt allerdings kaum etwas über den Inhalt oder die Reichweite des YouTubers aus, denn YouTube funktioniert wie eine Suchmaschine. Interessant sind daher also die Views (Videoaufrufe) zu den Beiträgen.

SnapChat ist aktuell DIE Plattform bei den Teens in den USA und verdrängt dort als wichtigste Plattform sogar Facebook. SnapChat fokussiert sich auf kurze unterhaltsame Clips oder Bilder. Die Besonderheit ist hier, dass diese mit einem Enddatum versehen werden und damit nur kurz in der Timeline auftauchen. Es sei denn, man markiert sie für sich im Account. Inhaltlich geht es hier wenig um sachliche Informationen.

Warum sollte ich als Autor überhaupt aktiv sein?

Es gibt nun bekannter Weise zwei Gruppen von Autoren: die Verlagsgeführten sowie die Selfpublisher. Für beide ist die Aktivität in den sozialen Medien interessant.

SoMe für Verlagsautoren

Die Arbeiten, die ein Verlag durchführt sind umfangreich. Eine individuelle Betreuung im SoMe gehört allerdings nicht dazu. Sicherlich wird der ein oder andere Verlag beratend und unterstützend zur Seite stehen, allerdings wird er keine dauerhaften Inhalte zur Verfügung stellen. Ginge es bei einigen Autoren rein ums Geldverdienen, könnte ich den Absatz jetzt hier beenden. Um jedoch nicht einfach zu einem Namen auf einem Cover zu werden, ist eine Bindung zu den Lesern von Vorteil. Sneak Peeks in die Arbeit des Schreibens, besondere Gewinnspiele, persönliche Einblicke, natürlich Werbung, aber auch die Einbindung von Fans in die Werke, sind nur einige der zahlreichen Möglichkeiten. Dies alles kann den Absatz zusätzlich fördern, dient aber primär dazu, eine solide Fan-Basis zu schaffen, die nicht nur für Feedback, sondern auch als eigenes Werbemedium enorm wichtig ist.

SoMe für Selfpublisher

Ohne einen Verlag im Rücken, macht der Selfpublisher ohnehin alles selbst, was gleichermaßen Fluch und Segen ist. Da kann die enorme Freiheit schon einmal erdrücken, insbesondere wenn die Fähigkeiten, als auch Geld begrenzt sind. In den sozialen Medien aktiv zu sein, ist wohl die kostengünstigste Form auf sich aufmerksam zu machen. Die Anmeldung ist bei allen Plattformen kostenlos und die Handhabung meist selbsterklärend und mit Kreativität hat man als Autor ja eigentlich auch keine Probleme. Also kann man Welten weiterspinnen, exklusive Einblicke bieten, Interviews mit den Protagonisten führen, sich mit anderen Autoren austauschen, Kooperationen eingehen, Blogger kennenlernen und noch einiges mehr. Nur eines sollte man auf gar keinen Fall außer Acht lassen: SoMe Plattformen sind keine reinen Werbeplattformen! Die eigentliche Werbung erfolgt durch die eigene Präsens, die Involvierung in Diskussionen und Themen. Das macht neugierig und schafft eine echte und ungezwungene Verbindung zu potenziellen Lesern. Allerdings haben viele oft die gleiche Frage:

Wo soll ich jetzt präsent sein?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn es spielen gleich mehrere Aspekte eine Rolle:

  • wie viel Zeit steht mir zur Verfügung
  • wann am Tag kann ich aktiv sein
  • welche Inhalte möchte ich teilen
  • welche Inhalte kann ich selbst erstellen
  • welchen Zweck verfolge ich (Werbung, Austausch oder Beides)

Als Primärziel werden die Autoren selbstverständlich das Schreiben angeben. Um direkt falsche Erwartungen zu vermeiden, möchte ich sagen, dass eine Teilung von 50/50 zu Schreiben und SoMe- Aktivitäten realistisch ist. Bedeutet für den ein oder anderen, dass er jetzt weniger Zeit zum Schreiben zur Verfügung hat. Allerdings steigen damit die Chancen, die eigenen Bücher bei der Leserschaft zu platzieren.

Die obige Übersicht fasst zusammen, wie viel Zeit bei welcher Plattform grob investiert werden muss. Hinzu kommt selbstverständlich die Erstellung der Inhalte. Sich auf einen einzigen Kanal zu fokussieren halte ich für nicht sinnvoll, sonst wäre man vielleicht verlockt zu sagen: »Dann mach ich nur Facebook.« Facebook ist sicherlich noch immer der reichweitenstärkste Kanal, allerdings werden dort die Inhalte nach der Anpassung des Ergebnisalgorithmus, nur noch nach tatsächlichen Interessen ausgespielt. Themen wie: Freund XY hat Das und Das geliked, gibt es so gut wie nicht mehr. Dies schränkt zwar die Sichtbarkeit ein, erhöht aber die Relevanz der eigenen Inhalte für Fans. Im Prinzip ist dies nichts weiter, als eine Zielgruppen orientierte Aussteuerung.

Ich würde die Kombination von 2-3 Kanälen empfehlen, je nach eigener Veranlagung. Ist man eher der Kreative, macht gern Bilder, sind Instagram und Pinterest, aber auch Twitter interessant. Ist man eher Text lastig emfpiehlt sich Facebook oder Twitter. Liebt ihr das Rampenlicht und Kameras, dann versucht euch an YouTube und Facebook. Habt ihr euch für eure Kanäle entschieden, wird sicherlich die Frage aufkommen:

Soll ich überall das Gleiche veröffentlichen?

Hierzu ein ganz klares Jain. Die gleichen Themen zu spielen, ist sicherlich nicht schlimm, allerdings sollten diese für die jeweilige Plattform aufbereitet sein. Per se kann ich auf Facebook und Twitter nicht die gleichen Inhalte publizieren, ich kann aber überlegen wie viel ich wo erzählen möchte. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, die Woche auf Facebook Revue passieren zu lassen und auf Twitter den Post mit kurzem Text zu verlinken. Das gleiche bei neuen Blogeinträgen oder Ähnlichem. Für gar nicht sinnvoll halte ich automatisierte Programme, die Inhalte gleichzeitig auf mehreren Plattformen spielen. Die abgeschnittenen Inhalte wirken teils unprofessionell und können gar unfreiwillig komisch enden. Da lobe ich mir die Floskel: Ganz oder gar nicht.

Die Verlinkung muss stimmig sein und ergänzend funktionieren. Instagram bietet selbst die Möglichkeit, Bilder direkt bei Twitter oder Facebook zeitgleich zu teilen. Was bei Facebook noch als kurzes Statement druchgeht, sieht auf Twitter bereits komisch aus, da das Bild nur als Link erscheint und für den Text nicht genug Platz vorhanden ist. Die Euphorie, die man dann in Textform noch auf Instagram teilt, mag sich dann gegebenenfalls woanders gar nicht erschließen. Macht euch also mit der jeweiligen Funktionsweise der Plattform vertraut und überlegt, wie ihr Inhalte sinnvoll kombinieren könnt.

Vielleicht spielt ihr jeweils eine Zeit lang unabhängig von einander Inhalte, um zu schauen, wie die jeweilige Community reagiert und vor allem agiert. Denn die Zeilgruppen sind unterschiedlich. Was auf Twitter gut funktioniert, muss es nicht auf Facebook und umgekehrt. Vor allem möchte auch nicht jeder überall vertreten sein. Auch wenn der Durchschnittsbenutzer seiner SoMe Kanäle im Schnitt 17x am Tag prüft. Wem jetzt schon im Angesicht des Aufwands graue Haare wachsen, der kann sich auch einen Redaktionskalender erstellen. Damit behaltet ihr den Überblick und wisst wann, was, wo gespielt wird. Bei einigen Plattformen lassen sich die Inhalte auch zeitgesteuert veröffentlichen. Ein paar tolle Tipps findet ihr auch bei Alexa Coletta, die die Herangehensweise sehr gut beschrieben hat.

Die Schattenseite des SoMe

Bevor ihr jetzt losstürmt und euch in neue multimediale Abenteuer stürzt, lest bitte mindesten noch diesen Abschnitt. Denn es gibt Dinge, über die MUSS ich mir einfach im Klaren sein. Mit jeder Aktivität und jedem Beitrag gebe ich etwas von mir preis. Für den Großteil der Community ist das sympathisch, man verlinkt sich und tauscht sich weiter aus, denn gerade der persönliche Askpekt ist von Bedeutung. Allerdings gibt es auch Gestalten, die solche Informationen persönlicher nehmen, als sie sollten. Und je nach Plattform sind bestimmte Informationen für Jedermann einsehbar, ob ich verlinkt bin oder nicht. Ich gehe darauf gleich noch einmal ein.

Entscheidet ihr euch beispielsweise für eine Facebook Seite, dann seid ihr gezwungen, dort ein Impressum zu erstellen. Bedeutet neben euren Adress- und Kontaktdaten, rechtliche Rahmenbedingungen einzuhalten, um sich Ärger vom Leib zu halten. Das an sich kann schon riskant sein. Diese Verpflichtung kann zum Problem werden, bedenkt man den zuvor angemerkten Aspekt des Gläsernseins. Man ist mit einem Schlag nicht mehr anonym, sondern eine Person mit Gesicht, Adresse und Telefonnummer. Die harmloseste Form der Schattenseite wäre aufdringliche Werbung, die wohl schlimmste ein Stalker. Die Chancen dafür sind gering, aber vorhanden. Das gleiche Risiko habt ihr übrigens mit einem Blog oder einem Webauftritt. Damit ist nicht zu spaßen, daher sollte Vorsicht die oberste Priorität sein.

Wie messe ich jetzt, ob meine Aktivitäten etwas bringen?

Diese Frage ist so individuell, wie der Geschmack beim Essen. Mit welcher Erwartungshaltung seid ihr gestartet? Als Autor wäre natürlich der ein oder andere Verkauf willkommen. Hier eine Verlinkung zum Foto vom letzten Urlaub zu schaffen, ist allerdings etwas unsinnig. Was ich empfehle ist, einen Blick in die Analysebereiche der jeweiligen Plattform zu werfen. Möglich ist dies bei Facebook, Twitter, YouTube und Google+ (in Verbindung mit Google Analytics) direkt. Alternativ gibt es Analysetools (meist in der Basis kostenlos), die eure Inhalte auslesen und aufbereiten. Bedenkt hier aber, dass dies meist amerikanische Unternehmen sind. Als Kennzahl empfehle ich euch die Interaktionsrate. Aus dem einfachen Grund: ihr wollt mit euren Fans/Followern/Freunden interagieren! Dabei sind 1-4% relativ normal, alles darüber hinaus besonders erwähnenswert.

 

Ich hoffe, ich konnte euch einen guten Einblick in die Thematik geben. Wenn ihr Ergänzungen oder weitere Tipps für die anderen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare.

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Kommentare (4)

  • Catharina

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    Hallo Andreas, durch Twitter (mal als Feedback für dich) bin ich nun das erste mal auf deiner Seite gelandet. Toller Artikel. Ich kann deine gesagten Punkte nur unterstützen.

    Bei Instagram kann du allerdings 30 Hashtags # verwenden (nicht 15), die du ebenso auch bei Pinterest nutzen kannst/solltest.

    Jedoch ist das allerwichtigste die Aktivität. Ohne diese, ist man sehr (!) schnell im Aus. 1 Woche nicht aktiv, kostet enorm Reichweite. Deshalb – genau: 2-3 Netzwerke rauspicken und da die Power reinstecken.

    Habt ein schönes Wochenende,
    Catharina von fit-weltweit.de

    Reply

  • Michael

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    Hallo Andreas,

    danke für den Artikel, der wirklich sehr interessant die Chancen, Pflichten und Möglichkeiten auflistet. Da hast du (auf Twitter) nicht zuviel versprochen!

    Eine Frage/Anmerkung habe ich zu den automatisierten Programmen. Habe ich das richtig verstanden, dass du grundsätzlich also auch Blog-Einträge nicht auf andere Plattformen übertragen lassen würdest? Ich sehe da bei einigen Blog-Einträgen das Problem, dass es gerade auf Twitter schwer wird, sowohl eine vernünftige Beschreibung des Inhalts und dann noch den Link unterzubringen. Das kann dann funktionieren, wenn die Änderung kommt, dass Links nicht mehr auf die 140 Zeichen angerechnet werden. Aber jetzt sehe ich es skeptisch.

    Was meinst du dazu?

    Viele Grüße
    Michael

    Reply

    • Andreas

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      Hallo Michael,
      zumindest würde ich nicht das Programm den Inhalt (Text) bestimmen lassen. Zu verlinken ist durchaus sinnvoll, so wie ich diesen Artikel bei Twitter beworben habe. Prinzipiell sollte ein (Blog-)Beitrag eine vernünftige und selbsterklärende Überschrift haben. Im Bestfall ist sie so kurz und prägnant, dass du gar nicht erst in die Problematik des Platzes kommst.
      Die Überschrift für diesen Artikel ist gar nicht mal kurz und hat trotzdem genug Platz gelassen, die restlichen Zeichen sinnvoll zu nutzen: neugierig machen, Zielgruppe einschränken, Call to Action unterstützen. Wenn man sich auf die richtige Redaktionierung kümmert, sollte sich das Problem also gar nicht ergeben.

      Ich hoffe, ich konnte dir helfen.

      Reply

      • Michael

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        Ja, danke, jedenfalls habe ich jetzt wieder Stoff zum Nachdenken (und weiter informieren).

        Nur die Sache mit den Beitragsüberschriften, die klammere ich mal aus. Da weiß ich (und nehme ich in Kauf), dass ich eine gewisse Nonkonformität pflege. Eher lässig statt informativ. Aber noch „übe“ ich ja. Wenn ich erst einmal den seriösen Autorenblog heraushängen lasse, mag sich das auch ändern.

        Also, noch einmal, danke dir!

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