Rezension: Gone Girl – Gillian Flynn

Gone GirlRezension Gone Girl

Ich hatte bereits Einiges an Rezensionen gelesen und Positives gehört, so das ich mich nicht zum Film, sondern zum Buch von Gone Girl hab verleiten lassen. Nicht umsonst sagt man: “Das Buch war aber besser”. Nun besteht der Klappentext sogar ausschließlich aus Lobeshymnen von Spiegel online, Maxi, Brigitte und Stern. Die Messlatte wurde also hoch gesetzt, ohne das man eigentlich weiß worum es im Detail geht. Ein interessanter Schachzug, wie sich am Ende zeigen wird.

Mit den großen Erwartungen im Hinterkopf begann dann meine Lesereise. 20 Seiten, 40 Seiten, 80 Seiten…irgendwann sollte es doch spannend werden, stand auf dem Deckel… 150 Seiten, 200 Seiten. Ah ja, da kam dann auch endlich etwas Spannung auf. Aber was war mit den ersten 200 Seiten? Nicht viel, um ehrlich zu sein. Was dem glaubwürdigen Aufbau der Charaktere gut getan hat, wäre allerdings auch in 50 Seiten möglich gewesen. Denn ich habe als Autor selbst gelernt: “Was der Story nicht dienlich ist, fliegt raus”. Das hätte hier auch gut getan, denn obwohl sehr ausführlich beschrieben, wurde nur an der Oberfläche des Notwendigen gekratzt.

Da nun der erste Anflug von Spannung da war, dachte ich “Jetzt gehts aber los!”. Das ging es, allerdings ohne großartige Spannung. Die Story nahm einen interessanten Verlauf, den man so nicht erwartet hätte. Man wandert in die Psyche von Amy, die allerdings so verworren ist, dass man wenig Lust verspürt, dort länger zu verweilen. Da ist die Begleitung von Nick interessanter, die Herausforderungen, mit denen er zu kämpfen hat, die Vorurteile, die vernichtene Presse und die anderen Klischees. Wie gesagt interessant, aber nicht spannend.

Man wälzt sich so durch die Seiten von Gone Girl, wird ein wenig dahingetragen von den beiden Charakteren, irgendwie eingelullt, bis es dann gegen Ende hin tatsächlich spannend wird! Ab hier Vorsicht Spoiler: denn Amy kommt wieder! Bam, das muss doch Potenzial haben. Eventuell. Oder dann doch nicht. Nick wirft Amy die dollsten Anschuldigungen an den Kopf und sie bleibt ruhig. Der muss mich ja lieben, kicher kicher. Die Andeutung, dass Nick weiterhin mit seiner Schwester und der Polizistin daran arbeiten, Amy den Mord am vermeintlichen Peiniger nachzuweisen, verläuft einfach im Sand. Wird einfach nicht weiter verfolgt. Sein geschriebenes Buch zur Veranschaulichung seiner Seite, wird einfach gelöscht. Bitte? Und alles weil Amy sagt, ich hab mich irgendwie von dir Schwanger gemacht (wobei mir ehrlich gesagt seeeehr schleierhaft ist, wie man von einem Taschentuch mit Sperma schwanger wird. Besenkammer, OK, der Beweis wäre ja da, aber ein Taschentuch?) und nun gibst du alles auf. Und das tut er?!? Der Nick, der akribisch dafür gekämpft hat seine Unschuld zu beweisen, sich verschuldet hat, um einen überteuerten Anwalt zu engagieren (der nebenher gesagt keine wirkliche Rolle spielt). Der Nick gibt einfach auf? Und DAS ist genau der Grund, warum das Buch von meinen anvisierten 4 Sternen auf 3 rutscht. Dieses Ende ist einfach Mist!
580 Seiten mit Interessantem und dann ein Ende mit dem man nichts anfangen kann. Das einen verständnislos zurückläst, das Buch hin und her drehen lässt, um zu schauen, ob sich das richtige Ende versteckt hat.

Zusammengefasst: der Aufbau der Charaktere sowie deren Antrieb ist hervorragend und vollends überzeugend. Bis auf das Ende. Hier passt weder der Antrieb, noch die Story, noch bleibt ein sinnvoller Schlussstrich. Den Hype und die Lobeshymnen sind für mich nicht nachvollziehbar und damit bereits der 4. Bestseller in Folge, der bei mir nicht über 3 Sterne hinaus kommt. Jetzt weiß ich auch, warum auf dem Einband nichts über den Inhalt gesagt wurde. Er war einfach nicht relevant.

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