Warum der Zufall mir wichtiger ist, als ein gutes Lektorat

Bei der Entstehung eines Buches gibt es so viele Aspekte zu beachten, damit das Endergebnis sich genau so entwickelt, wie geplant. Nichts wird dem Zufall überlassen, schließlich gilt es ja sich auch einen Ruf aufzubauen. Kann man aber wirklich alles planen? Was wäre, wenn der Zufall selbst dafür gesorgt hat, dass man überhaupt Autor ist?

Ich habe mir diese Frage gestellt und wollte eigentlich meine 13 Jahre Autorentätigkeit beleuchten. Gestaunt habe ich, was dabei herausgekommen ist. Denn irgendwie beruht bei beinah alles auf wundersamen Zufällen. Aber alles zu seiner Zeit.

Ob ich schreibe oder nicht, ist natürlich nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch des Könnens. Ein gewisses Talent für das Jonglieren mit Worten sollte man durchaus mitbringen, auch wenn man sicherlich Vieles lernen kann. Ich bin mit viel Kreativität gesegnet und habe meine ersten Geschichten bereits in der Grundschule geschrieben und sogar illustriert. Was ich bis letztes Jahr nicht wusste ist, dass mein Papa selbst schreibt. Heimlich, bereits seid Jahrzehnten. Ich war überrascht, erklärt es auf einmal die Herkunft meiner Begeisterung, aber auch seinen Ansporn mich bei meinen Texten zu unterstützen.

Nach der Grundschule ist das Schreiben sehr lange Zeit aus meinem Fokus gewandert. Erst der Umzug für den Start der Ausbildung in die Nähe meines Halbbruders hat hier die Glut wieder entfacht. Da wir nicht zusammen aufgewachsen sind, wollten wir etwas gemeinsam auf die Beine stellen. Die Idee für ein Schreibprojekt war geboren, das uns zunächst für einige Monate beschäftigte. Die Jahre strichen dahin, es gab einige Anreize das Geschriebene in einen kompletten Roman zu gießen und dann stand ein Jobwechsel an.

Am ersten Tag bei der Einführung die Personalabteilung, sprachen wir erst einmal über uns, Freizeit und Hobbies. Das Thema Schreiben legte ich beiläufig auf den Tisch, mit dem Vermerk, dass ich ein Lektorat für die letzten Schritte suche. Nun entpuppte sich der Kollege aus der Personalabteilung als Autor mit Kontakt zu einer Lektorin. Ich fragte unverbindlich an und die Arbeit begann. Einige Zeit später kam der überarbeitete Text zurück, mit dem Vermerk, ob ich Interesse hätte das Buch als Taschenbuch bei ihr im Verlag zu publizieren. Schau an, die Lektorin war Verlagsinhaberin und sie und ihr Mann von der Geschichte so angetan, das man beschloss mich in den gerade erst gegründeten Imprint-Verlag als ersten Buch zu veröffentlichen. Das waren direkt gleich drei Zufälle auf einen Schlag.

Zwei Jahre vergingen, der große Absatz blieb aus diversen Grund aus und so wünschte ich mir Ende 2014 für das Folgejahr ein wenig mehr Erfolg, um mich selbst zu verwirklichen. Das Schicksal meinte es gut und übersandte mir im Januar 2015 erst einmal die Kündigung des Verlags. Erst nach dem Frust wurde mir bewusst, dass es genau das war, was ich mir eigentlich gewünscht hatte: Freiraum. Kurzerhand fing ich an der Schwachstelle des Buches zu arbeiten, dem Cover. Ich reaktivierte meinen Facebook Account, um eine Seite aufzubauen, die Community mit einzubinden und den anderen kreativen Elementen ein Ventil zu bieten. Und wer hätte es gedacht, kaum das die neue Auflage erschien, verkaufte ich in der ersten Woche so viele Bücher, wie in den letzten beiden Jahren zusammen.

Mit dem Erscheinen des zweiten Buches Ende 2015, begann ich mein Äußeres zu ändern. Ich wollte mehr aus mir machen und Neues ausprobieren. Lies den Bart wachsen, die Haare wuchern, sehr zur Freude meiner Frau. Mittlerweile trage ich nur noch Bart und habe die Haare gebändigt. Weil ich so viel Spaß an der Community habe, werde ich auf Twitter wieder aktiv. Im April 2016 entdecke ich den Hashtag #BartBroAuthors. Die Aktion und die Bilder sind witzig, ich mache einfach mit und erhielt prompt eine Einladung. Ein kreativer Zirkel eröffnete sich mir, in dem sich so viele Möglichkeiten bieten, gerade wo das 3. Buch in die letzten Züge wandert. Und wieder folgt eine Kette scheinbar zusammenhangsloser Momente, die am Ende einen Sinn ergeben. Oder ist doch alles nur Zufall?

Das Gefühl das immer genau das Richtige, zu genau dem rechten Zeitpunkt passiert ist, bestärkt einen, dass das was ich mache und mich so sehr erfüllt, einen (höheren) Sinn hat. Werfe ich einen Blick auf mein Leben, meine Arbeit und mich, passt auf einmal alles zusammen. Mein Humor, die Kreativität, ein Job im Social Media, die richtigen Menschen um mich herum. Wird er halt zwei Mal Glück gehabt haben, mögt ihr denken. Weit gefehlt, ich habe noch eine Anekdote.

2014 haben wir gebaut, sind in ein kleines Örtchen gezogen und haben tolle Nachbarn gewonnen. Einer von ihnen interessierte sich für meine humorvolle Schreibe, weil wir uns auch sonst prima amüsierten. Seiner Mutter entging dies nicht, ist sie doch Literaturbegeistert und Mitbegründerin des Düsseldorfer Lesefestes. Auf die Frage hin, ob ich nicht Interesse hätte dieser Veranstaltung als Vorleser beizuwohnen, wurde ich ganz hibbilig und bejahte. Die Lesung wird nun in einem exklusiven Möbelladen in Düsseldorf stattfinden, dass wiederum einem anderen Nachbarn gehört.

Also mal ganz ehrlich, wenn hier das Schicksal nicht möchte das ich schreibe, dann weiß ich auch nicht mehr. Und deshalb setze ich mich auch gleich wieder dran.

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