Blaubeerkuchen

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Im hohen Bogen fliegt der Kiesel auf den großen Stein, um dann schnell und scheppernd davon abzuprallen.
„Gwonna. I han s dr ja gsagd.“ Nerol hüpft freudig, die Vorderpfoten in den Himmel gestreckt, auf und ab.
„Du zielst ja richtig, na das hätte ich auch gekonnt.“
„I koa hald au nix drfür, dasch du völlig talendfrei bischd. Aba mach dr nix draus, Talend isch nix woas mr lerna koa. Muschd hald mit leba“, stichelt Nerol seinen Kumpel Dragon an.
„Halt, nicht bewegen, bitte Nerol, beweg dich bloß nicht“, ruft dieser plötzlich. Wie vom Schlag gerührt verharrt Nerol in der Stellung, die eigentlich mal eine tänzelnde Drehung werden sollte.
„Warum, was isch?“, fragt der erschrocken, während er dabei mühsam versucht, auf einem seiner Hinterläufe stehend, das Gleichgewicht zu halten und nicht lang hin zu schlagen.
„Ach, eigentlich nichts, aber ich möchte dich gerne genauso vergessen wie du gerade bist“, gibt der ihm mit der gleichgültigsten Miene der Welt zu verstehen.
„Sehr widzig, du Komigger. Um normaler Weis mid jemand wia dir zu spiela, muaß es oam schoa sehr dreggig geha, weischd“. Dragon setzt zwar zum Kontern an, aber bevor er auch nur in Wort heraus bringen kann hebt Nerol plötzlich witternd seine Nase und fragt: „Soag mol, riachschd du des auch?“
„Du altes Ferkel und da soll ich jetzt auch noch meine Schnauze rein halten? Da erhole ich mich den ganzen restlichen Tag nicht mehr von.“
„Noi, im Ernschd, do riachds nach was Siaßem“, entgegnet der. Und von den feinen Duftschwaden angelockt, folgt Nerol mit erhobener Schnauze der unsichtbaren Spur. Dragon hält das Ganze zwar für eine Show, einen Versuch Nerols, diesmal ihn wieder hereinzulegen, trabt ihm aber dennoch hinterher. Denn wenn es ausnahmsweise doch keine Finte und doch etwas leckeres Süßes ist, was Nerol dort gerochen hat, dann würde der das glatt alleine vertilgen.
Die Nase soweit vorgestreckt, dass Dragon Angst hat, er würde jeden Augenblick vorn über fallen, bewegt der sich leichtfüßig und ohne große Geräusche zu verursachen, auf sein vermeintliches Ziel zu. Und Nerol hat Recht. Auf einem Fenstersims nur wenige Schritte vor ihnen steht ein Blaubeerkuchen wie Dragon ihn nur aus den Bilderbüchern seiner Kindheit her kennt, zwar nicht groß, aber dennoch jede Sünde wert. Den Blick fest auf seine Beute gerichtet, schleicht sich Nerol an das Fenster heran und wirft vorsichtig einen Blick ins Innere der Hütte. Sie ist offenbar leer, denn ein breites Grinsen der Vorfreude erscheint auf seinem Gesicht.
„Na, wenn des ned a Zuafall isch, komm schnell her zu Babba“, flüstert er und schon umschließen Nerols Krallen den kleinen Kuchen, der kaum größer als seine Handfläche ist. Den Blick zur Sicherheit weiter ins geöffnete Fenster gerichtet, bewegt er sich vorsichtig vom Haus fort. Aber jedes Glück hat auch immer ein Gegenstück und das hat in diesem Fall die Form eine mittelgroßen Steines, der zwar vor Nerols Füßen, aber eben nicht in seinem Blickfeld liegt. Dragon will seinen Freund zwar noch warnen, doch Nerols verloren gegangenes Gleichgewicht holt ihn in diesem Moment schon von den Füßen.
Der Blaubeerkuchen steigt während dessen von Nerols hochgerissener Vorderpfote mit der erforderlichen Bewegungsenergie versorgt, steil in die Luft und bewegt sich nach passieren des Scheitelpunktes seiner Flugbahn, nicht nur aus lauter Nächstenliebe wieder direkt auf Nerol zu. Der kann zwar im letzten Moment noch seinen Kopf weg ziehen, jedoch nur um den Weg zu seinem Oberschenkel frei zu machen, auf dem mit einem lauten Klatschen der Kuchen zerplatzt.
„Mahlzeit, brauchst Du jetzt einen Löffel, einen nassen Lappen, oder nimmst Du lieber deine Zunge zum saubermachen?Ich für meinen Teil kann dir nur sagen, dass diese Form, seinem Freund einen Kuchen zu kredenzen, nicht gerade mein Ding ist“, gibt Dragon Nerol trocken zu verstehen.
„Ah, aba verdammd hoiß isch der noch. Komm hilf mr.“ Nerols riesige Zunge fängt an, schnell die auf ihm verteilten Kuchenteile ins sichere Körperinnere zu befördern.
„Weißt du, Blaubeere ist eigentlich nicht so mein Ding.“ Kaum ausgesprochen beißt er sich auf den rechten Zeigefinger, eine weitere, dumme Aussage unterdrückend. Erst jetzt bemerkt er einen Jungen, der ein wenig abseits zwischen zwei Hütten steht und mit weit aufgerissenen Augen einen riesigen blauen Drachen sieht, der sich genüsslich seinen linken Oberschenkel abschleckt.
„Das ist … vielleicht … eklig“, spricht der Junge und zieht seine Mundwinkel in die hinteren Gesichtsregionen zurück. Angewidert dreht dieser sich um und rennt eiligen Schrittes davon.
„Ehm, Nerol. Wenn du deine Festtafel dann nachher wieder abgeräumt hast, sollten wir vielleicht doch versuchen…ach, mach in Ruhe, alter Junge, ich geh schon mal langsam vor“, beendet Dragon seinen Satz. Gerade als Dragon im Begriff ist sich abzuwenden, taucht Martandi hinter ihnen zwischen den Hütten auf.
„Was zum Geier machst du da?“, fragt er völlig angeekelt.
„I … nasch. Kuache moin i. I nasch Kuache“, entgegnet ihm Nerol laut schmatzend.
„Und du meinst es wäre zu viel verlangt dies wie jeder andere auch zu tun?“ Nerol wird die Skurrilität seiner Essweise schlagartig bewusst. Zum Glück ist der Kuchen inzwischen verschwunden und Nerol kann sich erheben.

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