Warum Nova MD keine Alternative ist

Die Produktion der eigenen Bücher sowie der direkte Vertrieb in den Buchhandel ist wohl die Königsdisziplin des Selfpublishings, denn es entspricht dem Veröffentlichungsweg von Verlagen. Es ist ein sehr kostspieliger vor allem aber riskanter Weg, der bei weiser und vorausschauender Planung durchaus gute Erträge realisiert. Doch die Anzahl Anbieter, gerade für Selfpublisher, ist sehr überschaubar. Nova MD ist derzeit der Einzige der dies für uns erschwinglich realisiert. Nach 2,5 Jahren der Zusammenarbeit bleibt jedoch nur Frust und Enttäuschung zurück. Warum das so ist und weshalb ihr diesen Beitrag vor einem Vertragsabschluss mit Nova MD lesen solltet, möchte ich euch nachfolgend zeigen.


Übersicht

Der Grund für diesen Beitrag

So stellt sich Nova MD da

> Leistungsstarker Vertrieb, volle Kostenkontrolle

> Täglicher Versand in den Buchhandel durch Nova MD

> Monatliche Abrechnung & Auszahlung

> Persönlicher Ansprechpartner bei Nova MD

> Verkaufszahlen in Echtzeit

> Unsere Bestseller Autor:innen

Grundlegendes

> Der Vertrag

> Vergütung und Kosten

> ISBN

> Die Listung

Auszahlung

> Auszahlungsmodalitäten

> Abrechnungsprozess

Der Service von Nova MD

> Kontaktmöglichkeiten

> Ein persönlicher Ansprechpartner

> Das Modell Ignoranz

> Das Model ober sticht unter

> Das Modell mangelhafte Beratung

Fazit zu Nova MD

Allgemeines zum Veröffentlichen via Distributor

> Das Risiko

> Der Verdienst im Handel

Die neue Alternative

Andere Autorenmeinungen

Der Grund für diesen Beitrag

Selbst zu verlegen ist ein steiniger Weg, auf einer kurvigen Straße, mit ungewöhnlich intensiven Steigungen und Gefällen. Deshalb braucht es verlässliche Partner, um seine Ziele zu erreichen. Nova MD gehört nicht dazu. Eher waren sie der bockende Esel, der sich auf dem Weg zum Gipfel permanent quer gestellt hat, den man streicheln und betüddeln musste, damit er seinen eigentlichen Job macht. Nun hat dieser Esel sich gänzlich an den Straßenrand gestellt und überlässt den Bergpass einzig mir.


Da Nova MD mit charmanter Werbung neue Autor:innen ködert, halte ich es für sehr wichtig, einen Einblick in das Geschäftsmodell, deren Service und Prozesse zu geben. Denn schließlich heißt es in einem Interview von www.lifepr.de mit dem Geschäftsführer Armin Wirth zum Jubiläum 2019:


„Nova MD ist in den letzten Jahren zu einem etablierten Buch- und Musikvertrieb herangewachsen.“ blickt Armin Wirth zurück. "Für mich und mein Team stehen Kompetenz und Innovation an erster Stelle, um unseren Kunden das bestmögliche Paket bieten zu können. Wir wollen nicht nur das Vertrauen und die Zufriedenheit unserer Kunden, sondern der Zeit voraus sein und arbeiten deshalb immer an neuen Strategien. Genau das zeichnet uns als 360 Grad-Vertrieb aus."

Ob das alles so stimmt erfahrt ihr nun in meinem Erfahrungsbericht. Trotz allem Frust, versuche ich diesen Beitrag so neutral wie möglich zu formulieren, damit ihr euch selbst ein Urteil bilden könnt.


So stellt sich Nova MD da

Nichts geht über den ersten Eindruck. Wir alle sind Werbeopfer und gehen dem ein oder anderen findigen Werbetexter in die Falle. Das hier nicht immer alles Gold ist was glänzt, übersehen wir dabei gerne. Deshalb sollten wir uns die Präsentation von Nova MD einmal ansehen. Diese wurde gerade erst überarbeitet, deshalb führe ich die Aussagen von April und Juni einmal auf (Copyright Nova MD), der Unterschied in den Aussagen ist nämlich erheblich.

Bewerbung April 2022

Bewerbung Juni 2022

Die ersten Aussagen sind etwas worauf man Nova festnageln könnte, das 2. ist typisches Marketing, klingt gut, ist aber relativ ungenau. Und weil Ersteres viel spannender ist, schauen wir uns die Punkte einmal an.


Leistungsstarker Vertrieb, volle Kostenkontrolle

Grundsätzlich ist mit „Vertrieb“ wohl die Belieferung des Handels zu verstehen. Denn es gibt auch Zusatzleistungen, die man hinzu buchen kann, um den Absatz zu fördern. „Kostenkontrolle“, nun ja. Im Vertrag wird für den Beispieltitel eine Marge aufgeführt, als auch die Kosten der Versicherung, das war es. Insofern ist die Aussage aus dem 2. Bild "Persönliches Festpreisangebot" schon irreführend.


Die eigentlichen Kosten entstehen aber, wenn es Probleme gibt, Exemplare an die deutsche Nationalbibliothek abzuführen sind u.Ä. Darüber gibt es aber keinerlei Ausführungen im Vertrag. Es gibt nicht einmal einen Kalkulator, mit dem man andere Buchpreise und damit den Verdienst berechnen könnte. Gerade bei neuen Auslieferung schießt man damit immer in eine Blackbox. Natürlich kann man das auch anfragen, aber von sich aus transparent zu sein, würde Vertrauen schaffen.


Täglicher Versand in den Buchhandel durch Nova MD

Hier muss man ketzerisch sagen, dass die Aussage richtig ist. Es wird ja täglich an den Handel geliefert. Ob die eigenen Bücher dabei sind und pünktlich ausgeliefert werden, lässt sich gar nicht überprüfen. Es sei aber erwähnt, dass Anlieferungen sowie Erstauslieferung für gewöhnlich 2-3 Werktage in der Bearbeitung dauern. Das ist oft zu lang.


Monatliche Abrechnung & Auszahlung

Diese Aussage ist fachlich richtig, allerdings nur durch das Weglassen besonderer Informationen. Die Auszahlung erfolgt monatlich, ABER mit 60 Tagen Zahlungsziel und auch nur, wenn ihr eine Rechnung stellt. Was sich dahinter verbirgt und warum das gleich doppelt irreführend ist, erkläre ich euch später bei den Zahlungsmodalitäten.


Persönlicher Ansprechpartner bei Nova MD

Stimmt prinzipiell, aber auch nur wenn ihr nicht unangenehm seid, nicht permanent Anfragen stellt und auch sonst zum Wohlwollen von Nova MD agiert. Auch heißt das nicht, dass dieser Ansprechpartner für euch erreichbar ist. Was das im Detail bedeutet, erläutere ich im Abschnitt Service, denn der war schlichtweg die Katastrophe.


Verkaufszahlen in Echtzeit

Ganz sicher nicht. Da ich in den letzten Monaten meine Verkäufe dokumentieren musste (dazu später mehr), kann ich eines sagen: vielleicht einmal die Woche und bestimmte Händler übermitteln erst am Anfang des Monats. Das dies erheblichen Einfluss auf eure Abrechnung hat und auch nicht transparent ist, erkläre ich ebenfalls bei den Zahlungsmodalitäten.


Unsere Bestseller Autor:innen

Dies ist die Werbung auf der Homepage Stand Juni 2022 (Copyright Nova MD).

Klingt gut? Ist leider völlig irreführend, denn es suggeriert, dass dies Autoren von Nova MD sind. Korrekt wäre „Wir liefern für Bestseller Autoren“. Hier schmückt man sich mit fremden Federn und vereinnahmt den Erfolg anderer, zu dem man partout nichts beigetragen hat. Ist das kleinlich? Nein. Insbesondere dann nicht, wenn es tatsächlich einen Verlag von Nova MD gibt.


Dieser Umstand wäre auch mir beinahe auf die Füße gefallen, weil man meine Titel zunächst mit dem Zusatz „Verlag: Nova MD“ ausgeliefert hat. Hier hatte ich um umgehende Korrektur gebeten, da mein Verlag „AH Publishing“ lautet. Zudem sind mir haarsträubende Geschichten zu diesem Verlag zu Ohren gekommen (die ich nicht wiedergebe). Am Ende ist das ein Detail mit großer Wirkung und verdient eigentlich das Prädikat: Irreführende Werbung.


Grundlegendes

Wie läuft so eine Veröffentlichung bei Nova MD ab? Nachfolgend die wichtigsten Schritte, inklusive der Dinge die bei mir schiefgegangen sind.


Der Vertrag

Sobald man Interesse bekundet, setzt sich jemand von Nova MD mit dir in Verbindung. Für gewöhnlich wird diese Person dann auch dein persönlicher Ansprechpartner. Du erhältst einen Rahmenvertrag, den du aufmerksam lesen solltest. Am besten übergibst du ihn noch einer weiteren Person, die sich im besten Fall mit Vertragsrecht auskennt. Gerne auch für 100 € auf Frag-einen-anwalt.de, das Feedback könnte Gold wert sein. Nutze die Möglichkeit anschließend Fragen zu stellen, um jeden Aspekt zu verstehen, vor allem aber schriftlich zu fixieren oder, falls möglich, Anpassungen vorzunehmen.


Warum weise ich darauf hin? Einige der Aspekte sind nur schwammig oder gar nicht abgedeckt. Folgende Punkte solltet ihr versuchen nachzutragen oder aufnehmen zu lassen:

  • Darlegung wie das Retourenecht für den Handel aussieht und geregelt ist (das hat maßgeblichen Einfluss auf Erstattungen)

  • In diesem Zusammenhang: Kostenübernahme bei Vernichtung von Exemplaren durch den Handel

  • In diesem Zusammenhang: Umgang beim Verlust von Büchern

  • Wie ist „Grob fahrlässig“ seitens Nova MD definiert

  • Nova gibt an, dass ein Vertrag aus rechtlichen Gründen von ihnen gekündigt werden kann. Was für Gründe können das sein.

Vergütung und Kosten

Kosten tut euch die Zusammenarbeit, finanziell gesehen, bis auf eine Versicherung von 46 €/Jahr, nichts, denn es gibt keine Gebühren. Für die Tantiemen lässt sich die Faustformel anwenden: eure Auszahlung beträgt ca. 33% vom Nettoverkaufswert. Davon müsst ihr dann noch eure Lieferkosten und Produktion abziehen, um den tatsächlichen Verdienst zu ermitteln.


ISBN

Die ISBN für den Handel erhaltet ihr von Nova MD. Es ist NICHT möglich eigene ISBNs mitzubringen, da die Listung über Nova MD erfolgt und diese dafür registriert sind. Diese Information ist nirgends kommuniziert, tatsächlich wird dieses MUSS als Verkaufsargument angepriesen.


Für mich war diese Vergabe die reinste Katastrophe. Bei 5/10 Veröffentlichungen hat Nova MD es hinbekommen, meine ISBNs doppelt zu vergeben, also auch an andere Autor:innen. Drei Mal ist das gerade noch gut gegangen und ich konnte den Coverdesignern die Änderungen rechtzeitig mitteilen. Beim Buchwächter 2 war der Probedruck gerade abgesegnet worden und ich konnte dann noch einmal Anpassungen vornehmen lassen. Leider hat die Neufertigung des Covers später im Druck zu Farbabweichungen geführt, was mich bis heute ärgert.


Bei Xerubian 3 führte dies zur Katastrophe, denn die Bücher waren alle im Druck. Gerade rechtzeitig habe ich die Druckerei erreicht, denn Cover und Innenteil waren noch nicht zusammengefügt. Ich musste die Buchcover für 150 € neu drucken lassen. Zwar wurden diese Kosten von Nova MD übernommen, dennoch haben mich beide Fälle Wochen an Verzögerung bei der Veröffentlichung gekostet und damit Zeit, die ich nicht verkaufen konnte. Eine Entschuldigung für diesen stümperhaften Fauxpas gab es übrigens nicht. Dass dies auch meinen Ruf bei einer Veröffentlichung schädigt, brauche ich glaube ich nicht erwähnen.


Die Listung

Damit das Buch in den Handel gelangt füllt man ein vorgefertigtes PDF aus, in dem man alle Informationen einträgt. Klappentext, Autoreninformationen, Buchdetails, Format, ISBN usw. Diese Datei prüfe ich mehrmals, damit kein Fehler passiert. Beim Buchwächter 4 hat Nova MD es tatsächlich geschafft den Untertitel von Teil 1 zu nutzen. Eine Überprüfung ergab, dass meine Datei korrekt war. Ändern wollte man das dennoch nicht, weil dies nicht mehr ginge. Das man vorher aber Aktualisierungen gesendet hat (siehe Verlagsdetails, aber auch eine Korrektur in der Autorenbeschreibung), spielte plötzlich keine Rolle mehr. Das ist bewusste Geschäftsschädigung und absolute Inkompetenz.


Auszahlung

Um bei Nova MD sein Geld zu bekommen ist einiges an Verständnis, vor allem aber Geduld notwendig. Das betrifft einmal die Auszahlungsmodalitäten sowie den Prozess selbst. Hier wird alles anders gemacht und die darin eingebaute Komplexität scheint System zu haben.


Auszahlungsmodalitäten

Wie bereits erwähnt, sind 60 Tage vertraglich als Zahlungsziel vereinbart. Daran lässt sich auch nicht rütteln. Diese beginnen aber erst mit Erstellung der Rechnung eurerseits. Dazu gleich im Prozess mehr. Der Abrechnungszeitraum ist immer der 1. bis letzte des Monats. Während des Monats erfolgen zwar Updates bei den Verkäufen, diese sind aber marginal, die eigentliche Aktualisierung erfolgt meist bis zum 10. des Folgemonats, wenn alle Plattformen quasi ihren Kassensturz machen. Dies hat zur Folge, dass sich die Auszahlung des Mammutanteils um weitere 30 Tage verschiebt. Man wartet also ein Viertel Jahr auf die Auszahlung.


Dies macht deutlich, warum es solch ein riskantes Geschäft ist, denn diese Zeiträume muss man erst einmal aushalten können. In meinen ersten beiden Jahren konnte ich mit den Auszahlungen nicht einmal die Neulieferungen decken, war also permanent in den roten Zahlen.


Selbst wenn man die Zahlen über den Monat hinweg einsehen kann, heißt es nicht, dass auch alles davon ausbezahlt wird. Es gibt nämlich die Möglichkeit für den Handel Retouren zu senden. Das bedeutet, dass Rücksendungen wieder eingebucht werden. Ob es sich dabei um Sendungen des Handels oder direkt von Kunden handelt, konnte man mir nicht beantworten.


Jetzt wird es aber richtig kurios, denn man zieht die volle Tantieme wieder ab. Nun ist es aber so, dass der Handel die Bücher auf Kommission hat. Wie kann also etwas abgezogen werden, wo ich doch dafür noch gar kein Geld gesehen habe? Der Antwort auf diese sehr wichtige Frage wich man mit den folgenden Antworten aus:

  • Das seien direkte Endkundenretouren. Anmerkung: Laut Werbung beliefert Nova doch den Handel, wie kann dann ein Endkunde an Nova retournieren?

  • Für die Kommissionsware bekäme ich ja Geld, das hat so seine Richtigkeit. Anmerkung: Auch falsch, siehe die Definition von Kommissionsware.

Das ist erst recht kurios, wenn man noch nicht einmal sagen kann, von wem die Retoure genau kommt.


Wer jetzt an ein oder zwei Retouren denkt, dem will ich sagen, dass allein der Teil 1 des Buchwächters 22 Retouren beim Taschenbuch hatte. Ohne jegliche Transparenz ist das Gefühl hier übers Ohr gehauen zu werden, sehr, sehr groß. Ich kann das bei meiner Anzahl an Titeln noch nachvollziehen, wie groß ist der potenzielle Schaden wohl bei Verlagen mit vielen dutzend Titeln?


Zudem gibt es auch einen Retoureneinbehalt von 25 %. Das bedeutet, von deinem Auszahlungsbetrag erhältst du nur 75 %. Aber weshalb wird denn Geld einbehalten, wenn es dir von den Tantiemen eh abgezogen wird? Ganz einfach, da wird nichts verrechnet: das bedeutet, dass 25 % deiner Tantiemen nun ein Zahlungsziel von 4 Monaten haben. Dieses Geld kann bei Nova MD in der Zwischenzeit fleißig arbeiten.


Abrechnungsprozess

Der Abrechnungsprozess ist die reinste Farce. Von Amazon und Tolino Media erhält man am Ende des Monats eine Abrechnungsübersicht und damit automatisch eine pünktliche Auszahlung. Nova MD macht alles anders. Bis zum 12. des Monats erhält man eine Abrechnung. Diese wird im Portal von Feiyr.com (die Unternehmen gehören zusammen) zur Verfügung gestellt. Man prüft dort die Zahlen auf Stimmigkeit und gibt diese frei. Es prangt aber mit großen Buchstaben die Anmerkung darunter, dass man sie auf keinen Fall freigeben soll, wenn etwas nicht passt.


Das war zwei Mal der Fall. Also schreibt man seinen Ansprechpartner an, der dann die Infos an die Buchhaltung weiterleitet. Einen direkten Kontakt gibt es offiziell nicht. Bei den Ansprechpartnern auf der Webseite hat sich nie einer zurückgemeldet. In meinem letzten Fall hat die erste Rückmeldung 9! Tage gedauert. Auf mehrmalige Nachfrage wurde gar nicht reagiert, nicht einmal der Eingang meiner Reklamation wurde bestätigt.


Was ich bis dahin nicht wusste: das Zahlungsziel verlängert sich in solchen Fällen um den Bearbeitungszeitraum. Das ist insofern fragwürdig, weil bei einer Rechnungsfreigabe am 12. des Monats die Auszahlung ab dem 01. des Monats möglich ist, bei Reklamationen aber nicht. Ergibt keinen Sinn, ist aber besonders ärgerlich, weil man selbst keinen Einfluss auf den Rückmeldungszeitraum hat. Wenn man sich jetzt wieder die gängigen 90/120 Tage ins Gedächtnis ruft, tut jeder weitere Tag richtig weh.


Gebt ihr die Rechnung frei (man drückt Rechnung erstellen), erhaltet ihr eine Email mit einem Link. Beim Klick auf den Link wird euch eine SMS mit einem Code geschickt, den ihr wiederum auf der Plattform für die Freigabe eingebt. Noch nicht kompliziert genug? In den 2,5 Jahren ist dieser Freigabecode nur 1 Mal direkt angekommen. In den restlichen Fällen musste ich auf „Code nicht erhalten“ klicken, damit mir eine zu schnell sprechende Computerstimme den Code ansagt. Erst DANN, Minuten später, kam die SMS an. Immer.


Dieser Prozess ist also die Bestätigung für die Bestätigung der Bestätigung. Warum sendet man nicht gleich die SMS? Warum werde ich um drei Ecken geschickt, um am Ende in der gleichen Plattform die Freigabe zu erteilen? Das ist, als würde ich ins Nachbarzimmer den Weg ums Gebäude nehmen müssen.


Es mag steuerliche Vorteile haben, eine Rechnung zu erhalten, anstatt automatisiert Abrechnungen zu verschicken. Dieser Prozess ist jedoch die reinste Schikane. Vor allem dann, wenn kein Geld fließt ohne dass die Autor:innen tätig werden. Ich war einmal im Urlaub und habe das tatsächlich vergessen, musste dann also 4, bzw. 5 Monate auf mein Geld warten. Das schmerzt enorm. Erklärt wird einem dieser Vorgang übrigens nicht. Da muss man schon selbst durch. Ich war froh entsprechend andere Autor:innen zu kennen, die mich da durchführen konnten.


Um das ganze abzurunden gerne noch einmal ein Zitat von lifepr:

„Dank der Anbindung an seinen digitalen Vertriebspartner Feiyr nutzt Nova MD immer den technologischen State of the Art.“

No comment.


Der Service von Nova MD

Nova MD ist ein Dienstleister, sie werden also bezahlt, um Leistungen zu erbringen. Hierzu zählt, dass einem bei Rückfragen der Support hilft oder Unklarheiten aufklärt sowie bei Problemen in deren Prozesskette beisteht. Es war mir nicht bewusst, wie man daran so brachial scheitern kann.


Kontaktmöglichkeiten

Prinzipiell stehen einem bei Nova MD die nachfolgenden Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Telefonisch über die Zentrale

  • Die generische info@ Emailadresse

  • Die Kontaktdaten des persönlichen Ansprechpartners

  • Über das Ticketsystem im Feiyr Konto

Dass man trotzdem keine Antwort erhalten muss, zeige ich euch an meinen Problemthemen.


Ein persönlicher Ansprechpartner

Wie in der oben gezeigten Werbung, legt man Wert auf den persönlichen Ansprechpartner (mittlerweile ja nicht mehr). Dieser wird einem sogar im persönlichen Feiyr Konto auf der linken Seite eingeblendet. Mein erster Kontakt war ein junger Mann, der mich beraten hat und die Listungen übernahm. Leider war er auch derjenige, der die ISBNs gegen die Wand gefahren hat. Irgendwann erhielt ich keine Antworten mehr. Man hatte vergessen dem Kunden mitzuteilen, dass er gekündigt hat und die Anfragen ins Leere liefen. Chapeau!


Ich bekam eine neue Ansprechpartnerin, die zunächst nicht zwischen Sie und Du entscheiden konnte. Gut, kann bei der Masse an Kunden vorkommen. Schlimmer ist, wenn diese im Urlaub ist und die Anfragen ebenfalls ins Leere laufen. Nova MD hat fast 2 Jahre gebraucht, um den Abwesenheitsassistenten in Outlook zu entdecken. Vertretungen gibt es allerdings keine, man wird auf die allgemeine Supportemail verwiesen, bei der in 2,5 Jahren nie jemand geantwortet hat. Zudem wäre das Ticketsystem schneller.


Nun ist das Konzept ja prinzipiell gut, würde es immer funktionieren. Denn sobald man unbequem wird, die Prozesse genau hinterfragt oder Fragen stellt, die Nova in schlechtem Licht dastehen lassen, verändert sich alles.


Das Modell Ignoranz

Eskaliert ist alles Ende 2021 als ich falsche Bestände reklamiert habe. Ich habe vorgerechnet, dass Bücher in der Statistik fehlen. Die einzelnen Positionen also nicht auf die Summe kamen, die ich angeliefert habe. Man hat mir dann erklärt, wie sich das zusammensetzt, wenn man hier was addiert und dort was abzieht. Aha. Als diese Erläuterung dennoch nicht stimmte, wollte ich die Übersicht meiner Statistik am Folgetag als Beleg anführen. Schwupps, war die fehlende Summe über Nacht plötzlich in den Bestand gebucht worden und die Zahlen stimmten wieder. Ein Schelm wer Böses dabei denkt! Das ist der Grund weshalb ich nun mehrmals im Monat diese Statistik protokoliere. Nun war dies aber nicht die einzige Fehlsumme und ich habe um eine Überprüfung der Lagerbestände gebeten. Darauf erhielt ich keine Antwort mehr.


Meine Nachfragen wurden penetranter, als Bücher als „an mich versandt“ aufgeführt wurden, ich aber nichts erhalten hatte, geschweige denn darüber überhaupt informiert wurde. Ich bat also um Aufklärung. „Der Handel habe ein Retourenrecht, falls der, wie Amazon, Ware vernichtet, weil sie derart beschädigt ist, könne man nichts tun“, kam es als Antwort (siehe meine Anmerkung zur Regelung des Retourenrechts). Schlimm genug, aber das war nur leider nicht meine Frage. Eine weitere Runde ergab die gleiche Antwort, nur neu formuliert. In dem folgenden halben Dutzend Emails wurden Fragen nur zur Hälfte beantwortet, einige Aspekte ganz ignoriert. Mein Angebot die Angelegenheit telefonisch zu klären und damit Zeit zu sparen, zählte ebenfalls dazu.


Dies alles führte irgendwann soweit, dass ich drei Monate komplett ignoriert wurde. Rückrufbitten über die Zentrale blieben ergebnislos, ebenfalls die Kontaktaufnahme über die info@ Email. Nichts. Ich bat dann irgendwann um einen neuen Ansprechpartner. Insgesamt drei Mal. Ebenfalls Stille.


Das Model ober sticht unter

Bei einem erneuten Versuch, habe ich dann meinen Unmut einer netten Dame an der Zentrale geschildert, die Verständnis für meine Situation aufbrachte. Ich wollte jemandem direkt sprechen, um die Angelegenheiten abschließend zu klären. Durchstellen könne man zu den Mitarbeitern allerdings nicht, das sei nicht angedacht. Ein Tipp meinerseits: Dann sollte man die Telefonnummern und Emailadressen auf der Seite samt Ansprechpartner rausnehmen. Jedenfalls erhielt ich tatsächlich einen Rückruf, mit unterdrückter Nummer, damit man ja nicht zurückrufen kann. Ab diesem Moment hat Nova MD nur noch den Vogel abgeschossen.


Ein Mann: „Man habe ihm hier einen Rückruf hingelegt, er wüsste nicht worum es geht.“ Guter Einstieg. Auf die Frage hin, wie er heiße, druckste er kurz rum und sagte „Thomas“. Wir sind dann so verblieben, dass ich ein Ticket über das System aufmachen soll, damit die Anfrage bei der richtigen Person landet. Genervt habe ich eingewilligt, die Infos aus meiner Mail an meine „persönliche Ansprechpartnerin“ kopiert und abgeschickt. Am nächsten Tag klingelte das Telefon erneut.


Der Mann wollte sich gerade vorstellen, schluckte seinen Namen aber schnell runter, als er sich offenbar an mich erinnerte. Die Stimme kannte ich aber, es war „Thomas“. Die Angelegenheit sei nun doch wieder bei ihm gelandet. Seine Stimmung: extrem gereizt. „Er habe nun den Verlauf bei einem Kaffee gelesen und komme zu dem Schluss, dass die Kollegin bereits alle Fragen beantwortet habe. Man könne sich in dem Umfang auch nicht meinen Anfragen widmen, dafür seien die persönlichen Ansprechpartner nicht da. Da müsste ich schon ein Ticket aufmachen.“ Aha. Erinnert ihr euch an die Werbung? Vor allem aber handle es sich ja um so eine geringe Menge (5 Bücher), da würden sie nicht tätig werden.


Ich war weder auf dieses Gespräch, noch diese Wendung vorbereitet. Man teilte mir allen Ernstes mit, dass man mir nicht helfen wollte, weil es ihnen zu aufwändig war. Zudem wäre es ja lächerlich was ich hier veranstalte wegen dieser paar Bücher. Zudem sei mein Tonfall nicht angemessen (Tut mir leid, wenn ich bereits nach 15 Emails anfange gereizt zu antworten, meine einzigen beiden Fragen zur Vereinfachung deutlich hervorhebe, damit man endlich eine klare und verständliche Antwort erhält).


Noch einmal zum Mitschreiben: Der Handel kann mein Eigentum vernichten, Bücher können wahllos an mich als versandt deklariert werden damit die Zahlen stimmen und weil das in der Nachverfolgung zu viel Aufwand ist, habe ich kein Anrecht auf eine Aufklärung. DAS meine lieben, ist bewusste Geschäftsschädigung, denn das Geld für diese Bücher erhalte ich nicht. Wenn man gar nicht bereit ist, Transparenz für die eigenen Zahlen zu schaffen, ist man ja fast geneigt Betrug zu unterstellen.


Dieses respektlose Verhalten hat das Fass zum Überlaufen gebracht und mich überhaupt motiviert diesen Beitrag zu schreiben.


Das Modell mangelhafte Beratung

Man kann über vieles hinwegsehen, wenn man wenigstens vernünftig beraten wird. Wie zuvor bereits erwähnt, gibt es aber selbst kaum das notwendige Verständnis für die eigenen Prozesse. Man wollte mir erklären, dass die als „Kommission“ aufgeführten Bücher ebenfalls abgerechnet werden. Nein, das sagt der Name Kommission bereits. Viel schlimmer finde ich jedoch, dass zu Entscheidungen mit Konsequenzen keine Aufklärung erfolgt.


Für die Titel Xerubian habe ich überlegt die Hardcover auszulisten, weil die Marge zu dünn war. Gern hat man das umgehend umgesetzt. Folgende Info über die Konsequenz wäre aber hilfreich für meine Entscheidung gewesen: Wird ein Buch einmal ausgelistet, kann man es nicht wieder einlisten. Dafür wäre eine neue ISBN erforderlich, denn für den Handel ist das ein schlechtes Signal über den Erfolg eines Buches. Für mich leider zu spät.


Genau diese Art der Beratung erwarte ich von einem Dienstleister. Ebenso die realistische Selbstreflektion, wenn etwas schiefläuft. Dass man sich auf Augenhöhe begegnet und nicht nur Umsatzlieferant ist. Das ist eine extrem bittere Erkenntnis zum Support von Nova MD. Von anderen Autor:innen weiß ich, dass derlei Geschichten leider keine Ausnahme sind. Konsequent werden Veröffentlichungen verbockt, Termine gerissen, Daten falsch übernommen, order so kleine Mengen geordert, dass ein Verkauf de facto kaum lohnt oder man ist dem „Support“ ausgeliefert, falls sich denn überhaupt jemand meldet.


Fazit zu Nova MD

In der Zusammenarbeit mit Nova MD werden vor allem zwei Dinge sehr deutlich:

  1. Du bist solange willkommen wie du Geld bringst und keine Umstände bereitest.

  2. Die Ware an sich ist nur Mittel zum Zweck und erfährt nicht den notwendigen Respekt. Sowohl als Ergebnis der schöpferischen Leistung anderer, aber auch als physische Ware, als Eigentum anderer.

Im Nachgang besitzt der Vertrag eklatante Lücken, die einzig zum Vorteil von Nova MD sind. Hier eine Einigung im Streitfall zu erzielen, kommt einem Kampf David gegen Goliath gleich. Das Spiel mit genau der richtigen Menge an Informationen, um einen für den Vertrag zu ködern, halte ich für unmoralisch. Ein Dienstleister, der den gleichberechtigten Umgang wertschätzt, ist offen und transparent, weist seine Kunden auf Konsequenzen von Entscheidungen hin und begleitet ihn, damit man gemeinsam Erfolge feiert. Nichts davon spielt bei Nova MD eine Rolle. Es macht eher den Eindruck, dass Selfpublisher nur lästig sind und man hilft, weil man vertraglich muss. Von Selbstreflektion oder dem Interesse an der eigenen Außenwirkung keine Spur. Von einem Partner kann hier keine Rede mehr sein.


Allgemeines zum Veröffentlichen via Distributor

Auch wenn mein Beitrag ganz offensichtlich keine Motivation für eine Zusammenarbeit mit Nova MD ist, möchte ich euch wenigsten etwas mehr Hintergrundwissen dafür und dagegen mit an die Hand geben. Denn eine Alternative ist in Sicht.


Das Risiko

Selbst zu drucken und damit einen Qualitätssprung in der Buchfertigung zu realisieren, ist verlockend. Die Fertigung selbst ist je nach Ausstattung relativ überschaubar. 1,50 € - 3,50 € für ein Taschenbuch sind realistisch. Natürlich lockt da der Gewinn. Ohne ein Vertriebskonzept funktioniert das allerdings nicht, weil man eine gewisse Menge abnehmen muss. Rein auf Messen wird man dieses Volumen nicht los. Da muss schon der Handel her.


Zuvor habe ich bereits angedeutet, dass es sehr lange dauert, bis man das Geld für solch ein Investment zurückbekommt: 1-2 Monate für den Druck, 1 Woche Veröffentlichung, 1 Monat Verkauf, 1-30 Tage Abrechnung, 90-120 Tage Zahlungsziel und noch einmal 1 Woche Auszahlung, machen im besten Fall für das erste Buch 6-8 Monate bis zum ersten Geldeingang aus. Wenn ich euch jetzt sage, dass ich an der ersten Auflage von Xerubian nach 2,5 Jahren noch immer verkaufe, macht es das Risiko, das ihre dabei eingeht, gut deutlich. Bei mir ist es eine Mischkalkulation. Einiges geht sehr gut, anderes nicht. Gerade Serien haben es mit den letzten Bänden besonders schwer.


Das Risiko tragt allerdings allein ihr. Gerade in der aktuellen Papierknappheit steigen plötzlich Produktionskosten und eure Kalkulation wird über den Haufen geschmissen. Da sich der Buchpreis nicht anpassen lässt, ist zwangsweise eine Neuauflage fällig und die Schleife fängt von vorn an.


Der Verdienst im Handel

Schafft ihr es einen kontinuierlichen Absatz zu realisieren, kommt auch das Geld ab dem 3. Monat regelmäßig rein. Natürlich könnt ihr bei niedrigen Druckkosten gut doppelt so viel an Marge generieren wie beim Print on Demand. Bei Messen und direkten Verkäufen sogar ein Vielfaches davon. Aber dafür braucht es Reichweite, Werbung und Ausdauer. Ohne einen finanziellen Puffer funktioniert das nicht und die Gefahr viel Geld zu verbrennen, ist groß.


Kalkuliert daher weise, spielt verschiedene Szenarien durch, berechnet schlechte Zeiten mit ein, damit sich solch ein Unterfangen für euch lohnt. Natürlich wird der Schritt einfacher, je mehr Bücher ihr habt und je größer eure Leserschaft ist. Aber auch um so teurer. Vor allem unterliegt nicht dem Trugschluss, dass die Verfügbarkeit im Handel plötzlich mehr Sichtbarkeit bedeutet. Ohne Werbung, und damit meine ich wirklich Amazon, Facebook, Newsletter und andere Wege, kann es sehr zäh werden.


Die neue Alternative

Nun ist die Alternative zu Nova MD da und natürlich kommt sie von den Mädels von Fakriro :D Der Dienst nennt sich Fakriro Impera und ihr findet ihn hier: https://fakriro.de/impera/. Ich werde demnächst einen ausführlichen Artikel zu ihnen schreiben und euch die Vorteile ggü. Nova MD auflisten. Es lohnt sich.


Andere Autorenmeinungen

Mittlerweile trauen sich immer mehr ihre Erfahrungen niederzuschreiben, warum sollten wir die also verstecken? Ihr habt bereits etwas zu ihnen niedergeschrieben? Dann vermerkt es in den Kommentaren oder schreibt mich an, damit ich es mit auflisten kann.

https://anniewaye.de/nova-md-erfahrungen-nie-wieder/